Das Beutelbuch

Beutelbücher

Das Beutelbuch gilt als das Taschenbuch des Mittelalters. Diese etwas merkwürdige Buchform war im Mittelalter immerhin zwei Jahrhunderte (14. - 16. Jahrhundert) sehr gebräuchlich. Zur damaligen Zeit war ein Buch selten und sehr teuer, nur ein wohlhabender und belesener Bürger - die soziale Oberschicht - konnte sich ein Buch leisten.
Das Beutelbuch war im Gegensatz zu den damaligen üblichen großen schweren Folianten, die bis ins 14. Jahrhundert noch von Hand auf Pergamentblätter geschrieben waren, ein kleines tragbares Buch, das auf Reisen mitgenommen werden konnte. Es wurde jedoch nicht in die Tasche gesteckt, sondern sichtbar am Gürtel oder in der Hand getragen. Es diente als Brevierbuch für Ordensleute und als Journal für Kaufleute.
Leider sind uns aus dieser Zeit nur wenige Exemplare erhalten geblieben. In alten Kirchen findet man immer wieder bei Gemälden und Skulpturen Abbildungen von Beutelbüchern.

Beutelbuch von 1471 Beutelbuch von 2012
Nürnberg Germanisches Nationalmuseum (1471) Buchbinderei Müller (2012)

 

Die Buchbinderei Müller fertigt Beutelbücher aus bereits bedruckten Büchern oder aus Büttenpapier an. Sie werden eingebunden in weichem Schafleder, mit erhabenen Rückenbünden und Blinddruckverzierung, versehen mit einer Buchschließe, Ring und Knoten.

Ein Beutelbuch ist ein „etwas anderes Buch“ als  Geschenk für ein:
- stilechtes Hochzeitsgästebuch für eine mittelalterliche Hochzeit
- außergewöhnliches Gästebuch für Schlösser, Burgen und Museen
- uriges Familienbuch für alte sanierte Fachwerkhäuser und Hofanlagen
- Statutenbuch für mittelalterliche Vereine und Laienspielgruppen
- Kellerbuch für exquisite Weinverkostungen in Weingütern
- ideales Liederbuch für Wandergruppen und Studentenverbindungen
- besondere Bibel, Stundenbuch, Sprüche- und Zitatensammlung
- auch umgestaltet auch als Handyhülle, Schnapsflaschenversteck usw.

 

 

Wenn Sie mehr über das Beutelbuch wissen möchten:

Broschüre

 

Das Beutelbuch

Vom mittelalterlichen Stundenbuch
zum außergewöhnlichen Gästebuch
Klaus Müller

Die Broschüre berichtet über die Geschichte und Herstellung einer fast vergessenen Buchform, die vom 14. bis zum 16. Jahrhundert weit verbreitet war.
Zahlreiche Bilder zeigen verschiedene Beutelbücher vom Mittelalter und der Gegenwart.
Eine kurze Anleitung zur Herstellung eines Beutelbuches gibt Anregung, sich mit dieser Buchform näher zu befassen.

Format: DIN A5, 104 Seiten, 50 Bilder, Beutelbuchform.

 

 

 

Auf unserer Homepage können Sie weitere Informationen über Beutelbücher erhalten. Weiterhin bieten wir ausgewählte Beutelbücher und Broschüren auch über unseren Shop an.

 

Eine Bitte von uns:

Wir befassen uns umfangreich mit dem Thema Beutelbuch und sind für jeden Hinweis dankbar.
Wenn Sie auf Ihren Urlaubsreisen in Kirchen mittelalterliche Abbildungen (Gemälde oder Skulpturen) von Beutelbüchern entdecken, dürfen Sie es uns hier gerne mitteilen.
 
Herr Ludger Maria Kochinke aus Mainz befasst sich auch umfangreich mit dem Thema Beutelbuch.
Auf seinen Internetseiten bekommt man viel Informationen und Anregungen.

http://www.buchbindeatelier.de/html/beutelbuch.htm

http://www.buchbindeatelier.de/html/beutelbuecher.htm

 

Gefunden beim Stöbern verschiedener Berichte über den Jahreswechsel 2016 / 2017

rotes Beutelbuch modernes Beutelbuch

Im Bindereport 2000, Heft 2, Seite 63, sehen wir ein modernes Beutelbuch von Steffen Hinderer, aus Gaildorf.


Im Bindereport 2000, Heft 5, Seite 63, sehen wir ein modernes Beutelbuch von Susanne-Elisabeth Wenzel aus Weimar.

Im Bindereport 1996, Heft 4, Seite 211, sehen wir ein neues Beutelbuch als Faksimile, einer Handschrift aus Südfrankreich aus dem Jahre 1130.

I

Beutelbuch Dessau

Im Bindereport 1980, Heft 12, Seite 660, sehen wir ein Beutelbuch, Codex Nr. 391, Foto Bundesdenkmalamt Wien.

Der begleitende Text beschreibt die Österreichische Nationalbibliothek in Wien mit über 440 Handschriften.

In einem Ausstellungskatalog, Anhaltische Landesbücherei Dessau, ca. 1980 ? sehen wir ein Beutelbuch; das Gebetbuch der Margarete von Münsterberg, Druck um 1500.

 

Eine Stele - Station 6 - auf dem "Klosterpfad" zwischen Bad Herrenalb und Frauenalb ist dem Gebetbuch der „Herren von Alb“ & Beutelbuch der Benediktinerinnen gewidmet.

Gesehen von Herrn L. M. Kochinke.

] hüllenband

Im Bindereport 1987, Heft 5, Seite 235, sehen wir ein Kettenbuch (Liber catenatus) aus dem 15. Jh. aus dem Simeon Stift in Trier.

In dem DuMont Reiseführer 1976, Seite 177, Bild Nr. 140, sehen wir auf dem Triptychon um 1500, eine Frau mit Hülleneinband.

Im Internet bei eBay, im Nov. 2016 wird ein Beutelbuch angeboten.

Neues Beutelbuch, Handeinband als Einzelstück mit Beschlägen, leere Blätter, zum Preis von 1200,00 €.

 Beutelbücher Martin

Dieses Foto mit verschiedenen Beutelbüchern schickte uns Martin Kirsch, ein Buchbinderkollege aus Walsheim in der Pfalz. Sie sind von ihm selbst als Hobby angefertigt.

Reise- und Zeitungsberichte

An einem Wochenendausflug am 30.09.2017 besuchten wir die Stadt Augsburg in Bayern. Dort waren wir auch im Dom. Der „Hohe Dom“ zu Augsburg wurde außen mehrmals umgebaut und um das Jahr 1065 fertig gestellt.

Die Innenausstattungen wurden danach immer wieder den kirchlichen Zeitgeist angepasst.

Im Kirchenschiff, vor dem Altarraum gibt es mehrere große Tafelbilder aus dem 15./16. Jh. Vier sind von dem Augsburger Maler, Hans Holbein d. Älteren von 1493.

Vom nördlichen Eingang im Dom, an einer tragenden Säule,

ist ein großes Tafelbild zum Marienleben aufgestellt.

Die vier Bildtafeln stellen Szenen aus dem Leben von Maria dar.

Das Bild „Darbringung im Tempel“ zeigt mehreren Personen mit Maria. Eine Person im Vordergrund hat ein hängendes Beutelbuch in der rechten Hand.

Beutelbuch Hohlbein Augsburg  Beutelbuch Dom Augsburg 

Aus dem Jakobsweg

Ein Kunde von unserer Buchbinderei ist jährlich auf einem der Pilgerwege, Richtung Santiago de Compostela, in Nordspanien an der Atlantikküste, zu Fuß unterwegs. Von jeder Pilgertour sammelt er Informationen, Erlebnisse, Reisebeschreibungen, Prospekte, Ansichtskarten usw., die wir dann zu jeweils zu einem Buch zusammenbinden.

Beim Einbinden der Blätter fand ich eine Ansichtskarte mit drei Holzfiguren. Die mittlere Figur hat in der rechten Hand vermutlich einen Schlüssel,  in der linken Hand ein hängendes Beutelbuch. Die christliche Figurengruppe aus dem 14. Jh. steht in der Basilique Saint Sernin, in Toulouse in Südfrankreich.

Ab dem 10. Jh. gibt es Hinweise auf das christliche Pilgerwesen. Seit dieser Zeit wird der Evangelist Jakobus verehrt, der in Santiago begraben und verehrt wird. Viele Wege aus ganz Westeuropa, sind gekennzeichnet mit und durch die Jakobus-Muschel. Im Mittelalter pilgerten viele tausende Gläubige zu Fuß an das Grab des heiligen Jakobus und beteten in der Kathedrale.  Ab den 1970er Jahre ist das Wandern Richtung Nordspanien wieder entdeckt worden, „zur Selbstfindung“ auch ohne christlichen Hintergrund.

 

Beutelbuch Jakobus

toulose südfrankreich pilgerweg

 

Auf den Azoren Inseln

Auf meiner Urlaubsreise mit Februar 2017 zu den Azoren-Inseln im Atlantik, fand ich wieder eine Statue mit einem interessanten Buch. Die Holzfigur steht in der Dorfkirche, in der kleinen Gemeinde Capelas, auf der Insel Miguel, die größte Insel der Azoren. Die katholische Kirche, heißt Nossa Senhora da Apresentacao, erbaut im 18. Jh.. Am linken Seitenschiff steht auf halber Höhe ein Kirchenmann mit einem Miniaturbuch in der linken Hand.

Die Holzfigur ist ca. 40cm hoch, hat einen schwarzen Umhang. Mit einem Stab in der rechten Hand, und in der linken Hand ein kleines, kleiner als handgroßes rotes Büchlein. Das geschnitzte Meisterwerk ist für Bücherfreunde bemerkenswert, weil eine Menschenfigur mit einem 2-3 handgroßem Buch, in Kirchen oft dargestellt wird. 

Somit kann man dieses kleine Büchlein zu der Gruppe der Miniaturbücher zählen die im heutigen „wirklichen Leben“ zu den Sammelobjekten bestimmt ist. 

 

 

 


Durlacher Kurier 26.02.2016

 

Beutelbuch handschrift

 

 

Durlacher Anzeiger

 

 
Am 01.07.2016 erhielt ich von Herrn Michael Lohrer eine Information über hängende Gesangbücher.
Origimal-Text:
Beim Recherchieren zu meinem Lieblingsthema „Gesangbücher“ stieß ich auf Ihre sehr interessante Seite, weil da auch etwas über Gesangbücher und Bibeln mit Schließen etc. steht. Das gab es in vielen Ländern in der Vergangenheit und davon habe ich einige Exemplare in meiner Gesangbuchsammlung. Wussten Sie aber, dass es das auch heute immer noch gibt? An jedem Sonntag strömen in Staphorst in den Niederlanden tausende von Menschen in die reformierten Kirchen zum Gottesdienst. Darunter sind einige hundert Frauen, die zur Tracht die Bibel mit Psalmenbuch an sechs silbernen Ketten tragen. Die anderen haben oft Lederausgaben mit Silber- oder Goldschließen. Die Männer haben eine Schließe, die Frauen zwei.

 

 

Am 09.05.16 erhielt ich von einer Frau folgende Information. In der Bibliothek des Strahov-Klosters in Prag gibt es ein Beutelbuch; es ist allerdings nicht direkt zu sehen, sondern wird nur im dortigen Führer erwähnt. Man kann beide Bibliothekssäle nur von der Tür aus betrachten, nicht betreten.

Im Raum befindet sich eine Statue von Johannes dem Täufer, der in den Händen ein Beutelbuch trägt.

Dieses Foto haben wir gefunden auf der Internetseite: http://schwarzesbayern.info/kloster-strahov-bibliothek-in prag/nggal....

 

Kloster Strahov Bibliothek Prag Johannes der Täufer

Eine Anfrage am 10.05.2016 bei der Gutenberg-Gesellschaft in Mainz ergab keine neuen Erkenntnisse zum Thema Beutelbuch-Abbildungen.

 

Artikel aus der Zeitung: "Die Rheinpfalz" vom 23.04.2016Artikel Rhein-Pfalz 23.04.2016

Beutelbuch und Hülleneinband aus Irland.

Auf meiner Urlaubsfahrt durch Irland fand ich zwei bemerkenswerte Abbildungen, Sonderformen von Bucheinbänden.

Südlich von Dublin in der Hafenstadt Cork steht die große KircheSt. Fin Barre’s Cathedrale, erbaut um 1870.

Im Haupteingang stehen die vier Evangelisten als übergroße Steinfiguren. Eine Statue hat in der rechten Hand einen Geldbeutel. In der linken Hand hält sie ein Beutelbuch. Gesehen am 8.08.2013.

Nördlich von Dublin in der Hafenstadt Sligo steht die große Kirche Cathedrale oft he Immaculate Conception (der Unbefleckten Empfängnis), erbaut um  ca. 1850.

In der Kirche am Eingang links, steht auf einem Sockel eine kleine Broncefigur. Die Statue hebt mit der rechten Hand einen Hammer. Mit der linken Hand hält sie einen Hülleneinband. Die Figur (von 1962) zeigt den Sanctus Asicus Patronus. Gesehen am 13.08.2013.

Bemerkenswert bei beiden Statuen mit abgebildeten Büchern ist, dass ihre Herstellung nicht aus der Zeit des Mittelalters kommt. Bekanntlich waren „echte“ Beutelbücher und Hülleneinbände im 14. und 15. Jh. eine gebräuchliche Buchform.

Die hier beschriebenen Statuen mit den beiden Bucheinband-Sonderformen wurden erst um 1850 und 1962 hergestellt. Sie kommen aus einer „neuen“ Zeit wo diese Einbandformen fast gänzlich unbekannt und auch nicht mehr als echte Bucheinbände benutzt wurden.

In meinen beiden Broschüren Beutelbuch 2013 und Hülleneinband 2007 habe ich die Sonderformen und ihre Anwendungen weitgehend be-schrieben. Siehe auch Bindereport Heft Nr. 3/2012 und Heft 12/2008.

Klaus Müller    22.09.2013

 

beutelbuch 1 cork irland

St. Fin Barre´s Cathedrale (1870)

Hafenstadt Cork, Irland

beutelbuch 2 cork irland

 

Hülleneinband sligo

hülleneinband

Cathedrale Immaculate Conception

Hafenstadt Sligo, Irland

 

Bericht von Klaus Müller im Bindereport 3 / 2012

 

 

Von einem Beutelbuch-Freund erhielt ich diese zwei Bilder. Beide  sind auf zwei verschiedenen Gemälden im Unterlinden-Museum in Colmar, im Elsass in Frankreich zu sehen. Er entdeckte die beiden Abbildungen auf einer Urlaubsreise im Jahr 2010.

Im Buch: Das Beutelbuch in der bildenden Kunst, von 1966 steht dazu:

Nr. 35 Kolmar, Museum Holzbildnis (1509-1511) aus dem Isenheimer Altar. – Der hl. Hieronymus hält in der Linken sein Gewand hoch und gleichzeitig ein Beutelbuch, Breitseite mit 5 Beschlägen und Blindverzierung zum Beschauer. Enden lose, eine Schließe (Bild unten links).

Nr. 125 Kolmar, Gemälde am Isenheimer Altar des M. Grünewald (um 1490) ein auf dem Boden sitzender Teufel hat ein Beutelbuch in der zurückgebogenen Rechten; es liegt am Boden auf. Enden lose, Leder auch am Längs- und Unterschnitt etwas überstehend (Bild unten rechts).

Nr. 126 Kolmar, Museum Unterlinden. Gemälde aus der 2. Hälfte des 15. Jh., vermutlich von M. Schongauer:  der hl. Antonius hat in der aufgenommenen Linken, die zugleich den Stab mit dem T-Kreuz hält, ein Beutelbuch, Schnitt nach vorne. Enden lose, zwei Schließen. Diese Beschreibung ist ohne Abbildung.

 

Figur mit Beutelbuch Teufel mit Beutelbuch

 

 

 

 

Wenn Sie mehr über die Arbeiten unserer handwerklichen Buchbinderei erfahren möchten, besuchen Sie uns auf www.mueller-buch.de oder in unserer Buchbinderei in der Kirchstraße 49 in 76829 Landau-Nußdorf.

Sie können sich mit Ihren Fragen auch per Telefon (06341/63658), Fax (06348/62740), e-mail an buchbinderei@mueller-buch.de oder über unser Kontaktformular an uns wenden.